Von A bis Z: Zu Hause arbeiten

Geschrieben von am 08/02/2006 in Neon mit 0 Kommentare

Egal ob für Geld oder für die Uni: Zu Hause arbeiten hat viele Vorteile – zumindest, wenn du dich an diese 26 Ratschläge hältst.

Arbeitszimmer:

Um es von der Steuer absetzen zu können, musst du einen abgeschlossenen Raum in deiner Wohnung haben und diesen überwiegend (das heißt zu 90 Prozent) betrieblich nutzen. Vorsicht: Bleiben nach Abzug des Arbeitszimmers nur zwei Quadratmeter Wohnfläche übrig, wird das Finanzamt misstrauisch.

Bett:

Sollte in deinem Arbeitszimmer ebenso wenig stehen wie eine Tischtennisplatte,
ein Whirlpool oder anderes nichtbetriebliches Mobiliar. Das Finanzamt darf – nach Anmeldung – gucken kommen.

Computer:

Geht immer dann kaputt, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Entweder du hast einen wirklichen Freund, der sich mit so was auskennt – oder du rufst einen 24-Stunden-Notdienst an. Den Exfreund deiner kleinen Schwester nach zwei Jahren Funkstille zu belästigen, weil dein Drucker streikt, ist für beide Seiten nervig und demütigend. Noch was: In einer Firma macht der IT-Profi regelmäßig Backup-Kopien – zu Hause solltest du selbst dran denken und mindestens einmal wöchentlich alle wichtigen Daten sichern.

Diplomarbeit:

Wer es irgendwie einrichten kann, sollte sie in der Bibliothek schreiben. Wenn es dort nicht geht: Versuche, dir zu Hause zumindest feste Arbeitszeiten anzugewöhnen. Klingt auch schlimm, ist aber immer noch besser, als die dritte Verlängerung erbetteln zu müssen.

Elan:

Wenn du morgens welchen hast, nimm dir sofort die schwierigsten Aufgaben vor. Wenn der unangenehmste Anruf erledigt ist, ist der Kopf erst mal frei. Wenn du morgens schwer in die Gänge kommst, fange mit Tätigkeiten an, die dir Spaß machen und leicht von der Hand gehen.

Fernseher:

Der schlimmste Feind des Heimarbeiters. Egal wie grauenvoll das Programm zwischen Vera am Mittag und Richter Alexander Hold ist – spätestens, wenn dir immer noch kein Titel für das Hausarbeitskapitel einfällt, schaltet sich die Glotze scheinbar von alleine an.

Grenze:

Während die Nudeln kochen, schnell noch diese eine Sache zu Ende  machen, vor dem Schlafengehen kurz noch die Mails checken – wer zu Hause arbeitet, vergisst leicht, zwischen Job und Privatleben zu trennen. Also unbedingt festlegen, was Arbeit und was Freizeit ist. Wer sich kein eigenes >Arbeitszimmer leisten kann, sollte nach Feierabend wenigstens die Unterlagen wegräumen und den >Computer ausgeschaltet lassen. Morgen ist auch noch ein Tag.

Handy:

Wenn du allen Menschen, mit denen du beruflich zu tun hast, deine Mobilnummer gibst, werden sie dich auch pausenlos dort anrufen. Die >Grenze zwischen Arbeit und Freizeit wird dadurch nicht klarer. Ideal ist ein Festnetzanschluss nur für deinen Job. Abends werden der Anrufbeantworter ein- und das Klingeln leise geschaltet.

Internet:

Neben dem >Fernseher der zweite große Feind konzentrierter Arbeit. Der Journalist Cyrus Farivar schreibt: »Ein guter Autor zu sein, ist zu drei Prozent Talent und zu 97 Prozent die Fähigkeit, sich nicht vom Internet ablenken zu lassen.« Wie das genau geht, hat aber noch niemand herausgefunden. Ein kleiner Trick: Das Mailprogramm zeitweise ausschalten, dann wird man nicht ständig vom »Ding« einer neuen Nachricht über billiges Viagra gestört.

Jammern:

Bei Schreibblockaden, Denkunlust oder anderen Tiefs hilft es oft, eine kurze Besorgung (>Xerografie) zu machen oder zur Post zu gehen. Wenn gar nichts vorangeht: Lieber einen halben Tag freimachen und den genießen, als frustriert am Schreibtisch Solitaire zu spielen und dir einzureden, du würdest arbeiten.

Kleidung:

Es ist nur scheinbar ein Privileg, unrasiert und in Unterhose am Schreibtisch sitzen zu können. Meistens geht die Arbeit besser, wenn man sie so verrichtet, dass man auch aus dem Haus gehen könnte, ohne sich zu schämen. Manche Leute schwören sogar drauf, tatsächlich einmal um den Block zu laufen, bevor sie loslegen.

Linsen:

Gibt es – wie Lauch und Leber – häufig in Firmenkantinen. Schön wenn man da nicht hin muss, sondern sich stattdessen mittags zum >Quatschen in einem Café oder Restaurant verabreden kann.

Möbel:

Wenn das Finanzamt das >Arbeitszimmer einmal anerkannt hat, kannst du Kosten für die Einrichtung (Schreibtisch, Teppich, Lampe, etc.) steuerlich geltend machen. Außerdem lassen sich anteilig die Nebenkosten wie Heizung oder Strom absetzen. Wenn das >Arbeitszimmer beispielsweise 20 Prozent der Wohnfläche ausmacht, also jeweils zu 20 Prozent.

Neidisch:

Auch wenn das Homeoffice dich manchmal fertig macht: Die meisten Leute hätten gerne deinen Arbeitsplatz: Laut einer Umfrage der Internetseite monster.de würden 82 Prozent der Teilnehmer gerne zu Hause arbeiten.

Organisation:

Wer alleine zu Hause arbeitet, muss sich besser organisieren als jemand, der Kollegen um sich hat, die ihm notfalls Dampf machen oder ihn an Dinge erinnern. Die Organisation fängt bei regelmäßigen Arbeitszeiten (>Grenze) an – wie die genau aussehen, muss jeder für sich entscheiden. Mit To-Do-Listen, Terminplaner und einem vernünftigen Ablagesystem macht sich die Arbeit zwar immer noch nicht von selbst – aber sie geht deutlich leichter und effizienter von der Hand.

Pausen:

Sind wichtig. Statt vor dem Bildschirm oder den Unibüchern eine Tiefkühlpizza reinzuschlingen, lieber eine anständige Mittagspause machen und auch sonst einmal pro Stunde fünf Minuten ausruhen. >Fernseher dabei auslassen, klar.

Quatschen:

Was einem im Büro vielleicht auf die Nerven geht, fehlt einem zu Hause plötzlich: Niemand kommt auf dem Weg zur Kaffeemaschine kurz am Schreibtisch vorbei. Um nicht zu vereinsamen, öfter mal zum Mittagessen außer Haus verabreden.

Randgruppe:

Du musst dich nicht seltsam fühlen, wenn andere ins Büro gehen und du nur ein Zimmer weiter: Laut Bundesamt für Statistik arbeiten in Deutschland 19,5 Millionen Menschen zu Hause.

Scheinselbstständig:

Auch wenn du zu Hause arbeitest, kannst du als scheinselbstständig gelten. Und zwar, wenn mehrere der folgenden Beschreibungen auf dich zutreffen:

  • Du bist auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig
  • Du bist nicht unternehmerisch am Markt tätig (machst zum Beispiel keine Werbung, keine Buchführung)
  • Du arbeitest weisungsgebunden
  • Du machst im Grunde denselben Job für denselben Arbeitgeber, den du vorher als Angestellter ausgeübt hast

Typen:

a) Der liebenswerte Chaot
Dein Ablagesystem ist relativ einfach: Was oben liegt, hast du zuletzt benutzt. Telefonnummern notierst du auf Pizzakartons, um die Pizza zu teilen, nimmst du den Brieföffner, den du aus dem Sekretär deines Vaters gemopst hast. Komischerweise findest du am Ende doch fast alles wieder – spätestens beim Umzug.
b) Der penible Organisator
Dein wichtigstes Arbeitsinstrument ist die Etikettiermaschine. Säuberlich beschriftest du jeden Ordner, jedes Ablagefach, jeden Schnellhefter. Die Zeit, die du dafür brauchst, sparst du wieder ein, weil du alles sofort findest.
c) Der geschäftige Projektemacher
Du hast immer mehrere Dinge am Laufen und redest ständig von »Netzwerken«, die du ganz unabsichtlich und nebenher aufbaust. Dass du kaum Geld mit all den Sachen verdienst, die du machst, wertest du als Zeichen, dass du sie wirklich liebst. Aber das stimmt nicht ganz, denn nach zwei Monaten machst du schon wieder etwas ganz anderes.
d) Der rauchende Nachtarbeiter
Erst wenn die Nacht sich über die Stadt gelegt hat und feine Rauchfäden zu Jazzklängen durch dein Zimmer schweben, kommen dir die richtigen Gedanken, und bis fünf Uhr morgens spürst du keine Müdigkeit. Die Leute, die du ab und zu gedankenlos anrufst, leider schon.

Urlaub:

Heimarbeiter neigen dazu, den Urlaub zu vergessen – vor allem Freiberufler. Schließlich kostet er doppelt Geld: einmal das, was man dort ausgibt, zum zweiten das, was man in der Zeit hätte verdienen können. Trotzdem solltest du unbedingt genügend Urlaub einplanen und auch tatsächlich machen. Verabredungen mit anderen helfen dabei, nicht in letzter Minute (»zu viel zu tun«) doch abzusagen.

Videokonferenz:

Dinge und Menschen, die nach Möglichkeit nicht im Bild sein sollten, wenn du gerade mit deinem Auftraggeber über ein wichtiges neues Projekt sprichst:

  • Dein verschlafener Partner, der fragt, ob du »das Arschloch, von dem du vorher erzählt hast«, schon angerufen hast.
  • Die Gummipuppe, die deine sogenannten Freunde dir letzte Woche zum Geburtstag geschenkt haben
  • Osama Bin Laden
  • Dein Dealer, die Ware schwenkend
  • Deine Mutter, die dir mit dem Taschentuch einen Fleck von der Wange reibt
  • Prostituierte (ausnahmsweise völlig egal, ob legal oder illegal eingereist)
  • Jemand, der fragt »Entschuldigung, was machen Sie an meinem Computer?«
  • Polizisten
  • Pete Doherty

WG:

Das Gute: Es ist immer jemand da zum >Quatschen. Das Schlechte:  Es ist immer jemand da zum >Quatschen. Da deine Mitbewohner aber nicht riechen können, wann dir nach Ablenkung ist und wann nicht, ist es nur fair, klare Regeln (>Grenze) zu vereinbaren. Es ist dein gutes Recht, in der gemeinsamen Wohnung zu arbeiten, aber es ist auch das gute Recht deiner WG, nicht wie deine Untergebenen behandelt zu werden.

Xerografie:

Fremdwort für Elektrofotografie. Der Gang zum Copyshop ist ab und zu ein ganz gutes Mittel gegen das >Jammern.

Yu-Gi-Oh!:

Japanische Zeichentrickserie, von der du keine Folge verpasst, seit du zu Hause arbeitest. Obwohl du noch vor einem Jahr jeden für einen Kleinkind gehalten hast, der »diesen Quatsch länger als eine Minute aushält«.

Zeitverschwender:

Neben den erwähnten Zeitfressern >Fernseher und >Internet gibt es noch andere Dinge, die dich von deiner Arbeit abhalten: Kaffee kochen, staubsaugen, die eine Tante anrufen, bei der man sich so lange nicht gemeldet hat, Wäsche aufhängen, feucht rauswischen, die andere Tante anrufen, weil die sonst beleidigt ist, das Bett machen, sich ein Brot schmieren, die Geschirrspülmaschine ausräumen, da man sonst den dreckigen Teller nicht wegräumen kann, die gerade angekommene SMS beantworten, gleich noch eine schreiben wegen Ausgehen am Wochenende, das Ladegerät suchen, weil der Akku alle ist, merken, dass das Basilikum vertrocknet ist, wegschmeißen, den dafür zu vollen Mülleimer leeren, neuen Kaffee kochen …

Text: Christoph Koch
Erschienen in: NEON

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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