Na Sabine, wie sieht’s aus in München?

Geschrieben von am 27/10/2005 in jetzt.de, Süddeutsche mit 0 Kommentare

Die Band Na Sabine, wie sieht’s aus in München? kommt – und genau das ist der Witz – aus Düsseldorf. Gerade hat sie das Album „Eine Flasche Musik“ veröffentlicht. Bassistin Beate verrät, wie man München von Düsseldorf aus sieht. Ein Interview über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden wohl verhasstesten Städte Deutschlands.

Na, Sabine, wie sieht es denn jetzt wirklich aus in München?

Die Sonne lacht verkniffen, die Menschen tragen rot -weiß -karierte Hemden, oder Häkelkleider. Die Jungs haben rote Bäckchen, die Mädchen rote Lippen und die Hausmeister sind ziemlich hektisch. Manchmal sind die Leute wohl ein wenig albern, macht sie aber nicht unsympathisch.

Na Sabine

„Ja bin ich denn im Wald hier? Wo bleibt unser Altbier?“ ,Na Sabine…‘ berichten von der längsten Theke der Welt.

Lasst mich raten, bei euch heißt auch gar niemand Sabine, stimmt’s?

Beates Schwester hatte eine Schulfreundin, die hieß Sabine. Außerdem kannten wir mal jemanden, dessen Schwester war in einer Klasse mit dem Bruder der Tennisspielerin Anke Huber.

Erzählt doch mal die Geschichte zum Bandnamen? Gegen welche Konkurrenten hat er sich zum Beispiel durchgesetzt?

Die Diskussion lief etwa so:– „Nepper, Schlepper, Bauernfänger?“– „Klingt zu sehr nach Punkband!“– „Die rote Sporttasche?“– „Dann assoziieren die Leute diesen Sportanzug -Tocotronic -Hype!“– „Sachdienliche Hinweise?“– „Da können wir uns ja gleich Na Sabine, wie sieht’s aus in München? nennen!“

Und wie ist Euer Verhältnis zu München jetzt wirklich?

Henrik, der Schlagzeuger ist Bayer und sagt „Kemie“ und „Kierurg“. Beate, die Sängerin und Bassistin war dieses Jahr einmal da, Tourzwischenspiel mit zweinächtigem Aufenthalt, der Rest schaut hin und wieder fern.

Im Rest von Deutschland werden Düsseldorfer und Münchner ja gerne in einen Topf geworfen: Die dämlichen Snobs mit zuviel Asche. Gutes Klischee?

Hier gibt es schon ziemlich fiese Menschen. Wenn man die Kö entlang geht, kann man richtig selbstbewusst werden, weil man sich für einen Moment wie der spannendste Mensch der Welt fühlt. Aber: wo viel Schund, da auch viel Gegenbewegung.

Als das „Schumanns“ – Münchens bekannteste Bar – umzog, sagte jemand, man könne da jetzt nicht mehr hingehen. Da wären „nur noch Düsseldorfer“. Was meint er damit?

Wohl die fiesen mit kleinen Brillen, gestreiften Anzügen, David-Beckham-Iro und Frauen, die viel Geld dafür ausgeben, billig auszusehen. Keine Hausmeister, aber noch rotere Lippen.

Wo sind Eurer Meinung nach die Unterschiede zwischen München und Düsseldorf?

Die Münchener Schickis sind prominent, pflegen ihre Heimatkultur und reden komisch. Man freut sich über Japaner und stark pigmentierte Menschen in Lederhosen. Die Düsseldorfer Schickis sind nicht prominent, dafür aber pseudointernational. Aber die Gegenkultur ist schon in Ordnung. Na ja, wir meinen damit jetzt nicht die Leute, die glauben, Die Toten Hosen wäre eine Punkband.

Eine+Flasche+Musik

Wenn ein Münchner mal raus aus seiner Stadt will und für ein Wochenende nach Düsseldorf kommt, wo muss er hingehen, damit er sich gleich Zuhause fühlt?

Ins Hofbräuhaus in der Altstadt, längste Theke, weißt schon.

Und wo muss er hin, um mal was richtig anderes zu sehen? Etwas, das er noch nicht kennt?

Wir haben hier nette kleine Kulturvereine. Auch solche, welche für Frauen zugänglich sind, wie die „Brause“ und das „Damen und Herren“. Da gibt es Rumhängen mit und ohne Sinn, Ausstellungen, Bingo und Konzerte von den Bands unsere Labels lolila.

Großes Thema zwischen München und Düsseldorf ja immer auch: Der Senf. Euer Lieblingssenf?

Der Grobkörnige!

Interview: Christoph Koch
Erschienen in: Süddeutsche Zeitung

Foto: Lolila

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Über den Autor

Über den Autor: Christoph Koch ist Journalist (NEON, brand eins, Wired, GQ, SZ- und ZEIT-Magazin, Tagesspiegel, etc.), Autor ("Ich bin dann mal offline" & "sternhagelglücklich" & "Chromosom XY ungelöst") und Vortragsredner. Auf Twitter als @christophkoch unterwegs. .

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